Ein Wettlauf gegen die Zeit

05.01.2018

Mittwoch, 27. Dezember 2017

 

Geschwindigkeit: 0,0. Standort: Zarate. Der Blick auf die Homepage von Marine Traffic war einmal mehr ernüchternd. Die Grande Africa befand sich nun seit geschlagenen 5 Tagen in Zarate. Das lange Wochenende stand bevor und wir wollten Silvester in unserem Bus verbringen. Doch es wurde langsam knapp.

 

Wir statteten KMA zusammen mit Sybille und Alex nochmals einen Besuch ab. Wir waren zu früh da und warteten in der marmorierten Empfangshalle. Riesige Kronleuchter hingen über uns und passten nicht so recht zu der bröckelnden Fassade im Innern des Gebäudes. Nach ein paar Minuten liess uns die Empfangsdame durch das Tor zu den Aufzügen. Es hiess, dass die Grande Africa am Donnerstag um 8.00 Uhr im Hafen von Montevideo eintreffen werde und wir den noch benötigten Stempel am Freitag früh holen können. Mehr konnten wir im Moment nicht tun und so entschieden wir uns, nochmals zu unserem Agenten Eduardo zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass sich das an diesem Tag noch zweimal wiederholen würde. Zuerst war nur sein Sohn da, dann schickte er uns nochmals zu KMA und beim dritten Mal brachten wir ihm das heilige Papier (Bill of Lading). Das wichtige Dokument, ohne das wir unser Büssli nicht aus dem Hafen kriegen werden und das nur einmal ausgestellt werden kann – wie immer und immer wieder betont wurde.

 

Donnerstag, 28. Dezember 2017

 

Geschätzte Ankunftszeit: Donnerstag, 18.00 Uhr. So schnell verschiebt sich der Zeitplan um 10 Stunden. Das wird sehr knapp. Wir mussten raus aus der AirBnB Wohnung und zogen vorerst für eine Nacht in ein Hotel. Wie wir bereits beim Betreten des Foyers feststellten, diente das Hotel gleichzeitig als Altersheim. Kein Witz! Ich glaube sogar, dass wir die einzigen Hotelgäste waren. Als wir am späten Nachmittag aus einem hippen Café traten und die Strasse hinunterblickten sahen wir sie: die Grande Africa. Wir eilten zum Hafen, wo wir Sybille trafen. Die Sicherheitsvorkehrungen am Hafen von Montevideo sind beschaulich und innert kürzester Zeit standen wir vor dem riesigen Dampfer. Die Besatzung winkte zu uns runter, vor dem Schiff warteten zahlreiche Männer auf ihre Arbeit. Wir waren die einzigen Schaulustigen und beobachteten gespannt das Geschehen. Alex war inzwischen auch im Hafen eingetroffen und liess es sich nicht nehmen, über die Rampe ins Schiff zu spazieren. Denis tat es ihm gleich und die beiden inspizierten den Frachter und fanden schliesslich ihre Fahrzeuge! Louis stand auf dem 3. Deck - er sah toll aus und wir waren erleichtert. Doch wir erhielten wieder schlechte Neuigkeiten: aufgrund des langen Wochenendes werde der Zoll am Freitag bereits um die Mittagszeit schliessen. Die Chancen, dass wir unsere Fahrzeuge vor Silvester erhalten sanken rapide.

 

 

Freitag, 29. Dezember 2017

 

8.30 Uhr. Wir trafen Sybille und Alex bei KMA. Die Empfangsdame hatte die Anweisung erhalten uns mitzuteilen, dass das Büro von KMA heute doch erst um 10.00 Uhr öffnet. Wir liefen zuerst zum Hafen, wo unsere Fahrzeuge bereits auf dem Parkplatz standen. Danach suchten wir Eduardo auf und der Wettlauf gegen die Zeit begann. Zusammen mit seinem Sohn holten wir die Stempel bei KMA und Eduardo legte sich ins Zeug, er kopierte und scannte sämtliche Dokumente und führte ein Telefonat nach dem anderen. Er brauchte die Freigabe für 5 Fahrzeuge und zwei machten scheinbar Probleme. Die Österreicher, die auch sehnlichst auf ihre Fahrzeuge warteten, kamen hinzu und wir warteten gemeinsam in dem kleinen Büro, bis Eduardo endlich den Hörer auflegte, seine Sachen zusammenpackte und wir uns auf den Weg machen konnten. Eduardo hastete die Strasse entlang, bat uns plötzlich einen Moment zu warten, rannte die Strasse hoch, verschwand, und kam eilig wieder zurück. Ich habe keine Ahnung, was er gemacht hat. Wir gingen gemeinsam ins Zollgebäude, Eduardo verschwand und wir warteten einmal mehr. Man hörte das Plaudern der Angestellten und wir fragten uns, ob sie auch ihre Kalender zerrissen und zum Fenster hinauswarfen, wie es hier am letzten Arbeitstag im Jahr üblich ist. Nach geraumer Zeit kam Eduardo zurück und wir gingen zu unseren Fahrzeugen im Hafen oder besser gesagt in das Gebäude nebenan. Und wieder mussten wir warten. Eduardo sah uns die Anspannung an und versprach, dass wir in einer Stunde mit unseren Fahrzeugen durch die Strassen von Montevideo fahren werden und tatsächlich bekamen wir kurz darauf die lang ersehnten Autoschlüssel. Wir prüften Louis auf Mängel und Schäden, da es immer wieder vorkommt, dass Fahrzeuge aufgebrochen werden und wir befürchteten, dass etwas fehlt. Doch Louis Zustand war unverändert, es wurde nichts entwendet und wir konnten es kaum erwarten loszufahren. Allerdings waren die Formalitäten noch nicht zu Ende. Als nächstes ging es zum Zoll beim Buquebus. Nach einiger Wartezeit konnten wir unsere Formulare ausfüllen lassen, verabschiedeten uns von Eduardo und fuhren schliesslich um 16.00 Uhr die Rambla am Meer entlang. Es fühlte sich noch unwirklich an, doch wir waren unglaublich erleichtert. Nachdem wir in der nächsten Tankstelle Louis auf Vordermann brachten und in einem winzig kleinen Lädeli in einer Seitengasse unsere Gasflasche füllen liessen, holten wir noch schnell unser eingestelltes Gepäck beim Hotel und trafen uns mit Sybille und Alex beim Leuchtturm - unser erster Übernachtungsplatz. Wir liessen den Tag mit einem kalten Bier und Rotwein ausklingen und freuten uns, endlich in unserem eigenen Bett schlafen zu können.

 

 

Ach ja, Weihnachten war ja auch noch! Diese  haben wir noch in der AirBnB Wohnung verbracht und um doch noch ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu kommen haufenweise Guetzli gebacken!  Da der Backofen schon aufgeheizt war, hat Denis, der Bäcker, auch noch zwei super leckere Brote gezaubert. In Uruguay ist Weihnachten übrigens sehr bunt, kitschig und laut - an Heilig Abend gibt es um Mitternacht ein grosses Feuerwerk, alle gehen auf die Strasse und danach werden die Geschenke ausgepackt.

 

 

 

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