Nirgendwo ist auch ein Ort

12.01.2018

 

Und weg war sie! Denis reagierte schnell und rannte dem Rollerfahrer hinterher. Wir nutzten gerade das WLAN auf dem Parkplatz eines 5 Sterne Hotels in Montevideo, als ein junger Mann direkt auf die Leute beim Eingang des Hotels zusteuerte und einer Dame die Handtasche entriss. Ein Rollerfahrer kam herangebraust und der Dieb sprang auf. Vor genau solchen Überfällen wurden wir bereits in Buenos Aires gewarnt und nun passierte es in einer der ruhigsten Gegenden in Montevideo.

 

Wir packten unsere Sachen und fuhren nach Colonia del Sacramento, buchten für den nächsten Tag ein Ticket für die Fähre nach Buenos Aires und suchten uns einen Schlafplatz. Kurze Zeit später erschien ein weiteres VW Büssli und wir waren überrascht, als uns ein junges Paar in schweizerdeutsch ansprach. Gegen Abend zogen dunkle Wolken auf und es begann heftig zu winden. So kam es, dass wir bereits an unserem zweiten Abend Besuch in unserem Büssli empfingen. Sie brachten sogar Bier mit! Mitten in der Nacht erreichte uns der Sturm, der Regen peitschte an den Bus und der Wind brachte ihn ziemlich zum schwanken. Wir entschieden uns, an einen anderen Platz zu fahren und Denis kletterte nach vorne. In dem Moment, als Denis den Motor startete, sahen wir Yannick und Carla mit ihrem Büssli davonfahren und wir lachten.

 

Die Überfahrt nach Buenos Aires verlief problemlos und so fuhren wir schon bald raus aus der Stadt in den Süden. In Mar del Plata, der Badehochburg der Provinz Buenos Aires, trafen wir auf Menschenmassen, die um den besten Platz am Strand kämpften. Wir fuhren weiter und aus der Grossstadt wurden schon bald Vororte, kleine Dörfer, einsame Höfe, und auf einmal war da nichts mehr. Endlose Strassen und weite Felder. Wenn Du nach stundenlanger Fahrt die erste Tankstelle ansteuerst, findest Du lange Schlangen vor den Tanksäulen und halbleere Regale in den Shops. Wir fuhren nach El Cóndor, wo wir an der Küste auf tausende Papageien trafen, die in den Klippen nisten und ein lautstarkes Konzert veranstalten.

 

Auf der Peninsula Valdes, einer Halbinsel, erwartete uns 150km Schotterpiste, wunderschöne Landschaft, Salzseen und eine Vielfalt an Tieren. Wir fuhren an Guanakos, Sträussen und Hasen vorbei, sahen Seelöwen und entdecken an der Küste die ersten Pinguine! Sie schienen die Abendsonne zu geniessen und liessen sich durch uns nicht stören. Wenn Du auf der langen Fahrt durch das Nichts auf der Strasse auf ein Gürteltier triffst, solltest Du das Tempo stark reduzieren – die kleinen Tierchen können sich nämlich nicht so recht entscheiden, auf welche Strassenseite sie flüchten sollen und so laufen sie zuerst im Zickzack, bis sie sich schliesslich doch für eine Seite entscheiden und schnell im Gebüsch verschwinden.

In Puerto Madryn schliefen wir am Strand, sahen den schönsten Sonnenaufgang direkt aus unserem Bett und als wir vor unserem Büssli am Meer frühstückten, sahen wir eine Robbe vorbeischwimmen - das hat schon was!

 

Eine hügelige Schotterstrasse an der Küste führte uns zu unserem nächsten Ziel: Cabo Dos Bahias. Bereits der Weg ist atemberaubend schön, das Blau des Ozeans bildet einen grossartigen Kontrast zu der wüstenähnlichen Landschaft, Guanakos stehen am Strassenrand und lassen sich durch Deine Anwesenheit nicht beirren. In einzigartiger Umgebung begegnest Du einer Pinguinkolonie und beobachtest wie sie im Wasser ihre Runden drehen und durch die Gegend watscheln. Dazwischen Sträusse und Guanakos. In der Ferne siehst Du die Seelöwen, ihr Brüllen hört man noch weit. Wir wollten diesen schönen Fleck noch nicht ganz verlassen und suchten uns auf dem Rückweg einen Schlafplatz an der Küste, mitten im Nirgendwo, wo man nur das Rauschen des Meeres hört und durch die Fenster den grossartigen Sternenhimmel und die fernen Lichter des kleinen Dorfes erblickt.

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Please reload

Archiv
Please reload

Länder
Please reload