Wir schieben, doch nichts geht.

11.06.2018

Im Camping Colibri ausserhalb von La Paz finden wir eine tolle Oase mitten im Mondtal, wo wir ein paar Tage verweilen. Wir besuchen La Paz, der weltweit höchstgelegene Regierungssitz, und schweben mit den Seilbahnen über den Wahnsinn der Stadt. Die von der österreichischen Firma Dopplmayr gebauten hochmodernen Anlagen mit Kabinen aus der Schweiz passen nicht so recht in das Stadtbild. Es sind bereits weitere Linien im Bau und nach der Fertigstellung wird dies das grösste urbane Seilbahnnetz der Erde sein!

 

Ein Ausflug zur Todesstrasse beginnt mit einer Fahrt über den Paso de la Cumbre, wo wir auf den ersten Schnee der Reise treffen. Eine schmale Schotterstrasse zweigt von der Hauptstrasse ab, ein desolates Schild weist auf die Death Road, die Todesstrasse, hin. Hier herrscht Linksverkehr, da der linkssitzende Fahrer auf der linken Spur den Platz bis zum Abgrund besser einschätzen kann. Doch bis auf ein einziges einheimisches Fahrzeug sind wir auf dem ganzen Weg allein. Man durchfährt auf dieser Strecke von etwa 4700m bis auf 1200m fast alle Klimazonen Südamerikas und so ändert sich die Vegetation rasch und schon bald befinden wir uns mitten im Urwald. Wasserfälle ergiessen sich direkt auf die Strasse, Farne und Bananenbäume säumen den Strassenrand. Wir sind beeindruckt von der Schönheit und erfreuen uns nach viel Wüste und Sand über das satte Grün und die reiche Pflanzenwelt.

 

 

 

Nach einer Nacht in Coroico machen wir uns wieder auf den Weg zurück nach La Paz. Doch weit kommen wir nicht. Die Polizei hält uns auf, da wir angeblich eine Einbahnstrasse von etwa 20m falsch gefahren sind und dafür nun 50 Bolivianos (etwa CHF 7.-) bezahlen sollen. Wir sahen auch andere auf dieser Strasse und gehen davon aus, dass sie es gezielt auf Touristen abgesehen haben. Wir wollen bei diesem Spiel nicht mitmachen und fragen genauer nach. Doch die Polizisten werden wütend und einer geht mit Denis in ein Hinterzimmer und schliesst die Tür, während ich draussen warte und die Welt nicht mehr verstehe. Der Polizist verliert die Beherrschung und zeigt Denis seine Waffe. Das reicht. Uns ging es nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. Doch nun haben wir genug, zahlen die 50 Bolivianos und verziehen uns.

 

Auf etwa 3800m Höhe und weit weg von der Strasse machen wir eine Mittagspause. Das Wetter wird schlechter und wir verwerfen unsere Pläne, die Nacht hier zu verbringen. Wir räumen auf und wollen losfahren. Doch Louis streikt. Er springt einfach nicht an. Ist es die Höhe, die Kälte oder der schlechte Benzin? Wir wissen es nicht. Vielleicht eine Kombination aus allem. Es beginnt schon fast zu schneien und nach langen 10 Minuten will Louis immer noch nicht. Wir schieben, doch nichts geht. Wir schieben weiter, immer wieder, bis es leicht bergab geht und Louis doch noch, endlich, anspringt!

 

Wir verbringen zwei Nächte in der Garage von Ernesto Hug, wo einmal nicht die Sterne sondern die Lichter der Seilbahn über uns leuchten. Louis bekommt zwei neue Stossdämpfer und einen Ölwechsel und wir nutzen die Zeit um nochmals durch die Stadt und über den Markt zu streifen und kaufen Cherimoyas und frischen Zimt. Vor der Weiterreise entschliessen wir uns, nochmals ein paar Tage auf dem Camping Colibri zu verbringen, wir werden von Ernesto und Annie Hug zu Kaffee und Kuchen eingeladen (herzlichen Dank nochmals, der Kuchen war ausgezeichnet!), geniessen die heisse Dusche und blättern schon mal im Reiseführer von Peru. 

 

 

 

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