Der Wecker klingelt.

24.06.2018

Auf einem kleinen wackeligen Holzboot überqueren wir den Titicacasee und fahren bis nach Copacabana, wo wir 2 Nächte auf einem Camping am See bleiben. Wir spannen wieder einmal die Slackline, spielen mit den zwei Hunden und erfreuen uns über die zwei Alpakas. Der Grenzübertritt nach Peru verläuft problemlos, dauert jedoch fast zwei Stunden, da der Grenzbeamte mit den Papieren für Louis etwas überfordert scheint und wir uns schlussendlich selber an den PC setzen dürfen. Unser restliches Obst und Gemüse wird uns auch hier – wie erwartet – abgenommen. Bereits an der Grenze wimmelt es von Tuktuks. Wir fahren bis nach Yunguyo, wo wir uns um die Autoversicherung für Peru kümmern und decken uns auf dem Markt gleich noch mit frischem Obst und Gemüse ein. Die Bootstour zu den bekannten schwimmenden Schilf-Inseln der Uros besteht leider hauptsächlich aus dem Versuch, Souvenirs zu verkaufen. Das in Puno gekaufte Ticket sollte eigentlich für die ganze Tour sein, doch für die (nicht-optionale) Weiterfahrt auf einem anderen Boot müssen wir doch noch ein weiteres Ticket kaufen. Alles in allem ist dieser Ausflug für uns leider eher eine Enttäuschung. Es hält uns nichts am Titicacasee und so ziehen wir weiter.

 

Eine tolle neue Asphaltstrasse führt durch kleine Dörfer und schöne, aber immer noch karge Landschaft. Wir besuchen erneut einen Markt und kaufen für wenig Geld gross ein. Wir sind die einzigen Touristen und die Einheimischen begegnen uns überaus freundlich und stecken uns nach dem Bezahlen noch ein paar kleine süss-saure Äpfel ein. Wir überqueren einen fast 5000m hohen Pass und geniessen den Blick auf ein fantastisches verschneites Bergpanorama. Es öffnet sich eine Schlucht und wir fahren in Serpentinen immer weiter hinab. Die Wüste endet und auf einmal befinden wir uns mitten im Urwald. Wir unterbrechen die über 600km weite Fahrt mit einer Übernachtung an einer Zahlstation. Es ist 6 Uhr früh und wir liegen noch im Bett, als wir aussergewöhnliche Geräusche wahrnehmen und wir fragen uns, von welchen Tieren sie wohl stammen.

 

Ab in den Dschungel. Die Tour beginnt mit einer 45 min. Fahrt mit dem Motorboot auf dem Rio Madre de Dios, bevor wir ca. 2,5 Kilometer durch den Dschungel bis zu einem Palmen-Sumpfgebiet laufen. Wir schnappen uns ein Paddelboot und rudern durch den Wald und über den Lago Sandoval. Auf der Fahrt können wir Baby Kaimane beobachten und sehen Schildkröten, auf denen Schmetterlinge tanzen. Wir quartieren uns in unserer Lodge ein und machen vor dem Mittagessen noch einen Spaziergang. Wir haben Glück und sehen direkt über uns einige Kapuzineraffen, die die Früchte von den Palmen klauen.

 

Nach dem Mittagessen verweilen wir noch eine Stunde in der Hängematte und geniessen den wundervollen Ausblick. Danach geht es bereits wieder mit dem Ruderboot auf den See. Wir halten inne und warten, es ist heiss und schwül, das Wasser klatscht an das Boot und durchbricht die Stille. Und auf einmal tauchen sie auf, eine Familie von Riesenottern. Sie jagen Piranhas und nun können wir sie beim Essen beobachten. Plötzlich ein mehrere Minuten dauerndes lautes Brüllen - Alex erklärt uns, dass die Brüllaffen so ihr Revier verteidigen.

 

 

Der Wecker klingelt. Um 4.30 Uhr sitzen wir bereits wieder im Ruderboot auf dem See. Nach einer Wanderung durch den Dschungel hören wir sie bereits. Die Papageien fliegen morgens hierher, um an den Baumrinden zu knabbern, die sehr reich an Mineralien sind. Bei der Rückfahrt sehen wir einige grosse Kaimane direkt neben uns schwimmen, die aber meistens schnell wieder abtauchen. In der Lodge gibt es unter anderem leckere Süsskartoffeln und Spiegelei zum Frühstück. Bei der anschliessenden Wanderung durch den Urwald erklärt uns Alex die verschiedenen Pflanzen und wie man sie als Heilmittel und gegen Gifte verwenden kann. Alex schneidet den Blattstiel einer Pflanze ab, schält ihn und gibt ihn uns zu kauen – natürliches Paracetamol. Er zeigt uns, aus welchen Lianen Körbe und Hüte geflochten werden und wir stehen für einige Minuten stillschweigend flechtend im Dschungel. Wir essen die Nüsse vom Paranuss-Baum (Brazil Nut Tree), einer der grössten Bäume des Amazonas und staunen über die Wanderpalme. Am Nachmittag steht noch eine Bootstour auf dem Programm. Der See ist ruhig und die Tiere lassen sich nicht blicken. Alex hat eine Idee und fragt mich nach meinem Taschenmesser. Er beugt sich über ein Boot, das am Ufer liegt und wir fragen uns was er wohl vor hat. Er will uns zeigen was da unter uns alles so herumschwimmt und hält den mit einem Stückchen Fleisch behangenen Hacken ins Wasser.

 

 

Wir paddeln am Ufer entlang, wo wir vielen kleinen Totenkopfäffchen beim Spielen zusehen können. Bei Sonnenuntergang rudern wir zurück und werden von Fledermäusen begleitet, die wir kurz davor noch an einem Baum hängen sahen. Nach dem Abendessen freuen wir uns auf eine Dusche und das Bett. Doch Alex macht uns einen Strich durch die Rechnung. Wir gehen im Dunkeln nochmals auf Wanderschaft und suchen Spinnen und Schlangen. Wir bekommen die tropische Riesenameise (Bullet Ant), die sogenannte gefährlichste Ameise des Amazonas, einen hochgiftigen Skorpion und eine Blume, die sich nur Nachts öffnet, zu Gesicht. Die Tarantulas und Schlangen lassen sich heute nicht blicken.

 

Tag drei. Wir fahren mit dem Motorboot auf dem Fluss zur Isla de los Monos, die Affeninsel. Kaum da, erwartet uns schon der erste Affe. Er bekommt eine Banane, die er schnell verschlingt. Er entdeckt den Plastiksack mit den restlichen Bananen, schnappt sich diesen und springt auf den Baum. Plötzlich kommen sie aus allen Ecken. Sie springen von Ast zu Ast, wir sind begeistert und schauen ihnen fasziniert zu. Wir haben noch ein paar Paranüsse dabei, die wir bei der Wanderung gesammelt haben. Jede Nuss wird von einer steinharten Schale umfasst, die wir nur mit Müh und Not öffnen können. Die Affen mögen die Nüsse auch, sie fangen sie geschickt und öffnen diese mit einem Biss!

 

Zurück in der Zivilisation sehen wir uns das Spiel Schweiz gegen Serbien an, gehen Essen, machen einen Grosseinkauf und fahren mit dem Tuktuk zurück zu unserem Camping. Der heisse und schwüle Tag endet perfekt mit einem Sprung in den Pool und dem grossen Wiedersehen mit Louis.

 

 

 

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