Es regnet in Strömen

21.09.2018

An der Grenze von Ecuador nach Kolumbien ist ziemlich was los. Ausser einem Paar, das wie wir mit dem Auto unterwegs ist, sehen wir kaum Touristen. Neben Kolumbianer und Ecuadorianer sehen wir vor allem auch viele Venezolaner mit ihrem Hab und Gut. Wegen der schweren wirtschaftlichen und politischen Krise fliehen immer mehr Venezolaner aus ihrem Land. Seit 2014 sind bereits über 2 Mio. Menschen aus Venezuela geflüchtet, die meisten davon nach Kolumbien. Wir stehen Schlange – für die Ausreise aus Ecuador, die Einreise nach Kolumbien und die Formalitäten für Louis. Ausserdem müssen wir uns hier wieder um eine Fahrzeug-Haftpflichtversicherung kümmern. So vergehen knappe vier Stunden. Bevor wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel machen, decken wir uns im nächsten Ort noch mit Lebensmittel ein und heben kolumbianisches Geld ab.

 

Wir finden einen Schlafplatz mit direktem Blick auf die Wallfahrtskirche „Santuario de Las Lajas“, die uns abends in verschiedenen Farben beleuchtet eher an Disneyland erinnert – tagsüber jedoch ein imposantes und grossartiges Bauwerk ist, das im Canyon des Río Guáitara direkt an den Felsen gebaut wurde.

Ein grosser See inmitten hügeliger, sattgrüner Landschaft, dazwischen grasende Kühe und Holzchalets - die Fahrt zur Lagune de la Cocha erinnert stark an die Schweiz. Wie uns Jorge, der Besitzer des Platzes wo wir übernachten, später erzählt, stammten die ersten Ausländer, die sich hier niedergelassen haben, aus der Schweiz! Wir sind zunächst alleine auf dem Platz, doch im Laufe des Nachmittags treffen noch andere Reisende ein - zufälligerweise das Paar, das wir vor zwei Tagen an der Grenze zu Kolumbien getroffen haben. Während wir uns unterhalten erfahren wir, dass sie am Abend zuvor in ihrem Auto mit Waffen überfallen wurden – nur wenige Kilometer von unserem Schlafplatz entfernt. Obwohl wir uns hier dieser Gefahr natürlich bewusst sind und uns unsere Schlafplätze stets mit Vorsicht auswählen, sind wir dennoch schockiert.

 

Die Trampolin de la Muerte, die Todesstrasse von Kolumbien, zieht sich über etwa 60 Kilometer, ist natürlich nicht asphaltiert, einspurig und mangels Alternativstrasse stark befahren. Doch so schmal ist die Strasse doch nicht und inzwischen sind sogar weitgehend Leitplanken angebracht. So bringen wir die kurvenreiche Strecke trotz regem Gegenverkehr gemütlich und mit stets toller Aussicht hinter uns.

 

Auf dem Weg in den Norden besichtigen wir den zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden archäologischen Park San Augustín. In einem etwa 2-3 stündigen Spaziergang durch den grossen Park sieht man Felsskulpturen und Figuren, die in der Zeit von 100 bis 1200 nach Christus von der San-Agustín-Kultur erstellt wurden.

 

Es regnet in Strömen als wir Salento erreichen. Salento liegt in der Kaffeezone Kolumbiens und ist vor allem auch wegen der Nähe zum Cocora-Tal ein beliebtes touristisches Ausflugsziel. Wir quartieren uns auf einem Camping ein und treffen Phil und Ingrid, ein Paar aus Südafrika, das wir seit Puerto Maldonado (Peru) nun bestimmt schon zum fünften Mal zufällig antreffen. Doch sie zieht es bereits wieder weiter und wir wandern durch das Cocora-Tal, wo wir die Quindio-Wachspalme - mit ihrer Maximalhöhe von stolzen 60m die höchste Palmenart der Welt! - bestaunen.

 

 

 

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