Es wird heisser und heisser

29.09.2018

Nach vielen sehr steilen Strassen steht mal wieder eine Überprüfung der Bremsen an. Wir lassen die Bremsklötze auswechseln und können uns nach kurzer Zeit bereits wieder auf den Weg machen. Hier sitzen sie auch schon mal zu fünft auf dem Motorrad und bei einer Familie mit drei kleinen Kindern hat auch noch der Hund Platz. Die Kolumbianer stehen auch gerne auf jeglichen Arten von Fahrzeugen, auf der Autobahn wohlgemerkt.

 

Wir streifen bei brütender Hitze durch die Kaffeeplantage während uns ein Mitarbeiter der Hacienda Venecia die unterschiedlichen Kaffeebohnen zeigt und uns viel über den Anbau, die Ernte, die Sortierung und die Verarbeitung erzählt. Kolumbien zählt nach Brasilien und Vietnam zum drittgrössten Kaffeeproduzenten der Welt und exportiert etwa 90% seines Erstklass-Kaffees.

 

Da wir bekanntlich keine grossen Stadtliebhaber sind, fahren wir ohne Stopp durch Medellìn. Beim Seengebiet besteigen wir das Wahrzeichen der Umgebung - den 220m hohen Fels von Guatapé. Obwohl er in der Gemeinde von Guatapé liegt, erhebt auch die Nachbarsgemeinde El Peñol Anspruch an den Fels, weshalb er auch als „Fels von El Peñol“ bekannt ist. Eine Treppe mit 659 Stufen führt in einer Felsspalte auf den Gipfel, von wo man einen fantastischen Rundumblick hat. Das Seengebiet entstand in den 70er Jahren, als das Dorf El Peñol überschwemmt wurde, um den Stausee Peñol-Guatapé zu erschaffen. Die kommende Nacht verbringen wir auf einem herrlichen Platz am See.

 

Am Tag darauf fahren wir weiter, immer Richtung Norden. Als uns ein vorbeifahrender Motorradfahrer darauf hinweist, dass mit unseren Pneus etwas nicht stimmt, halten wir an. Tatsächlich weisen gleich zwei Reifen mehrere grössere Risse auf. Da wir sie hier nicht wechseln können, wollen wir sie flicken lassen. Doch die zwei Herren von der Werkstatt wollen satte CHF 120 dafür. Das klingt sehr nach einem Touristenpreis. Trotz kaputten Reifen fahren wir daher weiter und finden schon bald eine andere Werkstatt. Nachdem sie die Räder demontiert und begutachtet haben, kommen sie zum Schluss, dass wir diese am besten gleich austauschen. Sie hätten evtl. passende Reifen für uns, meint der freundliche Automechaniker in seinem ölverschmierten Overall. Er steigt auf sein Motorrad und wir fahren mit Louis hinterher. Doch auch in dieser Garage werden wir nicht fündig. Der Automechaniker gibt aber noch nicht auf, er sitzt auf sein Motorrad, streckt Denis einen Helm entgegen und schon brausen sie davon. Sie klappern mehrere Garagen ab, aber kommen ohne Erfolg zurück. Also werden die Reifen geflickt - ohne Verhandeln für CHF 20 und natürlich mit einem Trinkgeld für eine Stunde Motorradfahren. Wir übernachten schliesslich an einer Tankstelle. In dieser Nacht schüttet es mehrmals so heftig, dass unser Schlaf nicht wirklich erholsam wird. Wir stehen daher sehr früh auf und trinken gerade unseren Kaffee, als das nächste Gewitter vorbeizieht. Der Strom der gesamten Tankstelle fällt wieder aus. Denis duscht mit einem Kübel Wasser und geniesst die Abkühlung. Wir fahren bereits um 6 Uhr morgens los. Der Weg ist lang und da hier kaum Tunnels gebaut werden, führt die Hauptstrasse kurvig und steil über 2800m hohe Berge. Bei der steilen Fahrt hinunter sind wir froh, dass wir vor ein paar Tagen die Bremsen kontrolliert und die Bremsklötze gewechselt haben. Es wird heisser und heisser und unfassbar schwül. Unser Ziel ist ein Campingplatz direkt am Meer. Doch als wir ankommen wird uns mitgeteilt, dass der Campingplatz zurzeit geschlossen ist. Gut, dass wir noch einen anderen Platz im Auge hatten, der 25km in die andere Richtung liegt. Der Platz hat super Bewertungen und wir sind gespannt, was uns erwartet. Doch auch hier werden wir enttäuscht. Der Camping ist riesig, aber total heruntergekommen und hat auch keinen einzigen Gast. Wir haben ein schlechtes Gefühl und nach einem kurzen Spaziergang in der Gegend, wo alle hundert Meter zwei schwer bewaffnete Soldaten Däumchen drehen, entscheiden wir uns, auf unser Gefühl zu hören und nicht hierzubleiben. Wir fahren und fahren, doch es kommt kein geeigneter Übernachtungsplatz. Als es dunkel wird erscheint uns eine Tankstelle als die beste Wahl. Hier fühlen wir uns tatsächlich viel wohler als auf dem Camping davor. Bei dieser Hitze und einer Luftfeuchtigkeit von gefühlten 99% brauchen wir dringend eine Dusche, doch die gibt es hier natürlich nicht und auf der Toilette fliesst nicht einmal Wasser. Wir füllen also unsere leere 20l Flasche mit Wasser aus einer Tonne und duschen auf dem Parkplatz. In der Nacht kühlt es leider gar nicht ab und obwohl wir von den beiden Tagen sehr müde sind, ist an Schlaf kaum zu denken. Am nächsten Tag erreichen wir glücklicherweise schon früh unser neues Ziel - ein kleines Hostel an der Küste mit Pool und toller Aussicht, das von zwei jungen Deutschen geführt wird. Wir sind die einzigen Gäste und campen hinter dem Haus. Ein toller Platz nach drei spannenden Tagen!

 

 

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